Der Termin für die Anmeldung der Eheschließung ist der Moment, in dem deutsch-italienische Paare zum ersten Mal merken, wie unterschiedlich zwei EU-Verwaltungen arbeiten können. Mitgebracht werden Ausweise, ein Stapel Papiere und viel guter Wille. Verlangt wird etwas anderes. Eine saubere Übersetzung Italienisch Deutsch ist dabei nur der letzte Schritt, und bei weitem nicht immer der teuerste Teil der Übung.

Die gute Nachricht vorweg: Seit einigen Jahren ist der Weg deutlich kürzer geworden. Viele Paare zahlen trotzdem für Beglaubigungen und Überbeglaubigungen, die es längst nicht mehr braucht, weil niemand am Schalter von sich aus darauf hinweist.

Das Dokument, das alles aufhält

Wer als italienische Staatsangehörige oder italienischer Staatsangehöriger in Deutschland heiratet, braucht in aller Regel ein Ehefähigkeitszeugnis, auf Italienisch nulla osta. Es bestätigt, dass der Eheschließung nach italienischem Recht nichts entgegensteht, und wird vom zuständigen italienischen Konsulat in Deutschland oder vom Comune am Heimatort ausgestellt.

Zwei Eigenschaften machen es zum kritischen Pfad. Es ist befristet, üblicherweise sechs Monate, und die Bearbeitung dauert je nach Konsulat und Jahreszeit mehrere Wochen. Wer im Frühjahr für August plant, sollte damit anfangen, bevor die Location gebucht wird, nicht danach.

Warum Sie vermutlich keine Apostille brauchen

Hier sitzt der häufigste vermeidbare Kostenpunkt. Seit Februar 2019 entfällt zwischen den EU-Staaten die Legalisation für eine ganze Reihe öffentlicher Urkunden, darunter Geburt, Eheschließung, Wohnsitz und Ledigkeit. Für italienische Urkunden, die einem deutschen Standesamt vorgelegt werden, ist eine Apostille daher in den meisten Fällen nicht erforderlich.

Noch nützlicher ist die zweite Neuerung. Italienische Standesämter stellen auf Wunsch mehrsprachige Auszüge aus, den estratto plurilingue, dessen Felder in mehreren Sprachen vorgedruckt sind. Wird ein solcher Auszug ausgestellt, verlangt das deutsche Standesamt dafür häufig gar keine Übersetzung mehr. Es lohnt sich, beim Comune ausdrücklich danach zu fragen, statt den gewöhnlichen italienischen Auszug zu bestellen und anschließend übersetzen zu lassen.

Was dann noch übersetzt werden muss

Übrig bleiben meist die Dokumente ohne mehrsprachige Entsprechung: Scheidungsurteile aus einer früheren Ehe, Sterbeurkunden bei Verwitwung, Namensänderungen, gerichtliche Beschlüsse. Für diese gilt, was das Personenstandsgesetz und die Praxis der Standesämter vorsehen: Die Übersetzung muss von einer in Deutschland ermächtigten oder öffentlich bestellten Person stammen und den Bestätigungsvermerk tragen.

Eine in Italien angefertigte traduzione giurata wird in Deutschland nicht automatisch anerkannt, auch wenn sie dort vor Gericht beeidigt wurde. Das überrascht viele Paare, ist aber der Normalfall: Beide Länder erkennen die jeweils eigenen Verfahren an, nicht die des anderen. Wer die Wahl hat, lässt in dem Land übersetzen, in dem das Dokument eingereicht wird. Welche Rolle vereidigte Übersetzer bei Visum und Eheschließung spielen, ist an dieser Stelle mehr als eine Formalie.

Die Reihenfolge, die Zeit spart

Rufen Sie zuerst beim zuständigen Standesamt an und lassen Sie sich die Liste der benötigten Unterlagen für Ihre konkrete Konstellation geben, am besten per E-Mail. Ledig und erstmalig verheiratet ist etwas anderes als geschieden mit Kind aus erster Ehe, und die Listen unterscheiden sich entsprechend.

Bestellen Sie danach die italienischen Urkunden, wo möglich als mehrsprachigen Auszug, und beantragen Sie parallel das Ehefähigkeitszeugnis. Erst wenn alles vorliegt, geben Sie die verbleibenden Dokumente gesammelt in Auftrag. So schreibt dieselbe Person alle Namen und Ortsangaben einheitlich, was spätere Rückfragen erspart. Eine Übersicht dazu, worauf beim Übersetzen einer Heiratsurkunde zu achten ist, hilft beim Sortieren.

Nach der Trauung fängt es noch einmal an

Ein Punkt, den fast alle vergessen: Die in Deutschland geschlossene Ehe muss in Italien nachbeurkundet werden, damit sie dort im Personenstandsregister erscheint. Das läuft über das Konsulat und ist unkompliziert, wenn man daran denkt, und ärgerlich, wenn es erst beim nächsten Behördengang in Italien auffällt.

Klären Sie außerdem die Namensführung vor dem Termin. Deutsches und italienisches Namensrecht gehen unterschiedlich damit um, und in Italien behalten Ehepartner ihren Geburtsnamen im Register, auch wenn in Deutschland ein gemeinsamer Ehename gewählt wurde. Das ist kein Fehler, führt aber dazu, dass Ausweis und italienische Urkunden verschiedene Namen zeigen.

Was eine gute Beratung vorab klärt

Drei Fragen genügen für ein belastbares Angebot. Welche Dokumente liegen in welcher Sprache vor? Welche davon verlangt das Standesamt ausdrücklich in beglaubigter Übersetzung? Und bis wann muss es vorliegen, gerechnet ab dem Ablaufdatum des Ehefähigkeitszeugnisses?

Wer diese drei Antworten mitbringt, bekommt einen Festpreis statt einer Schätzung. Und er erfährt im besten Fall, dass die Hälfte der mitgebrachten Papiere gar nicht übersetzt werden muss, was die angenehmste Auskunft in diesem ganzen Verfahren ist.

Wenn die Trauung in Italien stattfinden soll

Viele Paare drehen die Richtung um und heiraten in der Toskana oder in Apulien. Dann kehrt sich die Beweislast schlicht um: Das italienische Standesamt verlangt Unterlagen aus Deutschland, und die deutsche Seite stellt für diesen Zweck ein Ehefähigkeitszeugnis aus. Auch hier gilt die EU-Regelung, sodass deutsche Personenstandsurkunden in Italien ohne Apostille akzeptiert werden, und auch hier existieren mehrsprachige Auszüge.

Der Unterschied liegt in der Praxis vor Ort. Kleinere Comuni arbeiten seltener mit ausländischen Unterlagen und fragen gelegentlich nach Dingen, die rechtlich nicht mehr verlangt werden dürfen. Eine freundliche E-Mail mit Verweis auf die geltende EU-Verordnung löst das meist, kostet aber Zeit. Planen Sie deshalb auch hier Puffer ein und lassen Sie die deutschen Dokumente von einer Person übersetzen, die für italienische Behörden anerkannt ist.